Schlagwort-Archive: Einwilligung

„Das Finden und Erkennen der eigenen geschlechtlichen Identität“

Prof. Dr. Konstanze Plett arbeitet an der Universität Bremen im Fachbereich Rechtswissenschaft und im Zentrum Gender Studies. In diesem Artikel geht sie auf verschiedene Rechtsbereiche ein, die intersexuelle Menschen benachteiligen, führt verfassungswidrige Rechtnormen bzw. Auslegungen von Rechtsnormen auf und schlägt Gesetzesänderungen vor, die diesen Benachteiligungen entgegenwirken könnten.

Das Bundesverfassungsgericht hat in mehreren Entscheidungen das Recht auf „das Finden und Erkennen der eigenen geschlechtlichen Identität“ als zum allgemeinen Persönlichkeitsrecht gehörig bezeichnet, in das „nur bei Vorliegen besonderer öffentlicher Belange“ eingegriffen werden darf.

Zum Finden und Erkennen der eigenen geschlechtlichen Identität gehört vor allem Zeit. Soweit rechtliche Rahmenbedingungen Beteiligte unter Entscheidungsdruck setzen, sind sie deshalb verfassungsrechtlich bedenklich. Ob besondere öffentliche Belange vorliegen, die einen Eingriff rechtfertigen, bedarf jeweils einer sorgfältigen Prüfung. Weiterlesen

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Themenschwerpunkt: Aufklärung & Einwilligung, Lebensqualität, Personenstandsrecht

Die Schaffung eingebildeter Kranker

Aufklärung und Einwilligung – der Versuch einer Systematisierung

Claudia Kreuzer, selbst zwischengeschlechtlich, engagiert sich in der Selbsthilfegruppe Intersexuelle Menschen e.V., die sie 1998 mit aufbaute. In diesem Artikel erläutert sie, welche Voraussetzungen gegeben sein müssen, damit eine umfassende Aufklärung des Patienten über medizinische Eingriffe stattfindet und wie die Einwilligung erfolgen sollte, um die Rechte der betroffenen Personen zu wahren.

Bevor ich mich dem eigentlichen Thema zuwende möchte ich, um Missverständnisse zu vermeiden, an dieser Stelle feststellen, dass ich grundlegend geschlechtsverändernde medizinische Eingriffe an unmündigen intersexuellen Kindern ablehne. Meiner Auffassung nach kann jeder Eingriff in das Geschlecht eines Menschen nur von diesem allein entschieden werden.

Der hier zur Debatte stehende Themenschwerpunkt „Aufklärung und Einwilligung zu medizinischen Eingriffen“ kann natürlich nicht isoliert von den anderen Themenschwerpunkten und anderen Themen betrachtet werden. Deshalb muss an dieser Stelle zunächst der Charakter der Eingriffe an intersexuellen Menschen unabhängig des Alters näher untersucht werden. Weiterlesen

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Themenschwerpunkt: Aufklärung & Einwilligung

Jeder Eingriff eine Körperverletzung

Prof. Dr. Jochen Taupitz ist geschäftsführender Direktor des Instituts für Deutsches, Europäisches und Internationales Medizinrecht, Gesundheitsrecht und Bioethik der Universitäten Heidelberg und Mannheim und Mitglied im Deutschen Ethikrat. In diesem Artikel legt er die rechtliche Sicht auf Aufklärung und Einwilligung zu medizinischen Behandlungen dar und geht der Frage nach, wann medizinische Maßnahmen rechtmäßig sind.

Jeder Eingriff in den Körper eines Menschen, auch jede medizinische Behandlung, stellt vom Ansatz her eine Körperverletzung dar. Dies gilt auch dann, wenn die Maßnahme nach dem Stand der medizinischen Wissenschaft kunstgerecht und erfolgreich durchgeführt wird. Weiterlesen

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Themenschwerpunkt: Aufklärung & Einwilligung, Medizinische Eingriffe

„Deshalb würde ich nie von Heilen sprechen“

Dr. med. Patricia G. Oppelt leitet seit 2005 die Spezialambulanz für Kinder- und  Jugendgynäkologie an der Universitäts-Frauenklinik Erlangen. Ihre Fachgebiete sind hormonelle Störungen von Kindern und Jugendlichen sowie genitale “Fehlbildungen” im Kindes- und Jugendalter, unter anderem in Bezug auf spätere Fertilität und Endometriose. In diesem Interview berichtet sie darüber, wann sie medizinische Eingriffe bei intersexuell geborenen Kindern für notwendig hält und wann davon abzuraten ist. Außerdem geht sie darauf ein, warum eine Weiterentwicklung der Behandlungsrichtlinien für intersexuelle Menschen nötig ist.

Frau Oppelt, inwiefern setzen Sie sich mit der Thematik Intersexualität auseinander?
Patricia Oppelt: Im Rahmen der Leitung der Spezialambulanz Kinder- und  Jugendgynäkologie sowie der interdisziplinären Zusammenarbeit mit der hiesigen Kinder- und Jugendklinik, mit dem Leiter für Endokrinologie und Diabetologie Prof. Dr. Helmuth-Günther Dörr, betreuen wir Mädchen mit unterschiedlichen Ausprägungen der Intersexualität, insbesondere in Hinblick auf ihre Identifikation als Frau und die entsprechenden körperlichen Ausprägungen, dem intersexuellen Genital. Darüber hinaus habe ich bei verschiedenen wissenschaftlichen Symposien und Vorträgen die Ätiologie von genitalen Fehlbildungen und deren Therapieformen dargestellt. In meiner Habilitation beschäftige ich mich mit dem Thema genitale Fehlbildungen und Möglichkeiten der Fertilität bzw. Reproduktion. Weiterlesen

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Themenschwerpunkt: Medizinische Eingriffe

„Intersexualität anerkennen statt auszulöschen“

Dr. Katinka Schweizer ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Diplom-Psychologin am Institut für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und redaktionelle Mitarbeiterin der Zeitschrift für Sexualforschung. In diesem Artikel beschreibt sie verschiedene Voraussetzungen, die nach ihrer Erfüllung zur Verbesserung der Lebensqualität intersexueller Menschen beitragen könnten und schildert, welche Bedeutung die Ausbildung einer eigenen Geschlechtsidentität dabei hat.

Die Vertiefung der kontroversen Thematik im Umgang mit Intersexualität durch den Deutschen Ethikrat ist zu begrüßen. Insbesondere die Ermöglichung des Dialogs zwischen Angehörigen verschiedener Berufsgruppen, Disziplinen, gesellschaftlichen Gruppen und Experten in eigener Sache ist bemerkenswert. Dies ist nicht selbstverständlich und insofern schon jetzt bedeutungsvoll, da das Sprechen über intersexuelle Phänomene lange nicht stattgefunden hat, oft begrenzt auf den medizinischen Diskurs war oder aufgrund von Sprach- und Verständigungsbarrieren immer wieder unterbrochen oder vorzeitig beendet wurde. Weiterlesen

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Themenschwerpunkt: Lebensqualität, Medizinische Eingriffe