Schlagwort-Archive: Betroffene

Das Recht auf freie Selbstbestimmung

Als Teil des weltweiten Amnesty-Netzwerks setzt sich MERSI (Menschenrechte und sexuelle Identität) bereits seit 15 Jahren für die Menschenrechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender weltweit ein. Denn in vielen Ländern der Welt werden Menschen aufgrund ihrer sexuellen Identität diskriminiert, misshandelt, vergewaltigt, inhaftiert, gefoltert und ermordet. Seit einigen Jahren arbeitet die Hamburger MERSI Gruppe zum Thema Menschenrechtsverletzungen an Intersexuellen. Amnesty International nahm bislang keine Position zum Thema ein. Auf Initiative von MERSI Hamburg setzt sich die deutsche Sektion von Amnesty nunmehr auf internationaler Ebene für eine klare Positionierung ein, bei der schwere Menschenrechtsverletzungen an Intersexuellen definiert werden. In diesem Artikel beschreiben MERSI Hamburg ihre Einschätzung zum geführten Diskurs und zum Thema Menschenrechte.

Mit großer Freude haben wir beobachten können, wie sich im Verlauf des Diskussionsprozesses allmählich eine Tendenz herausschälte, die sich im Kern mit der von uns vertretenen Position deckt und unsere Argumente unterstützt – so wie es die ‚Erste Einschätzung’ des Ethikrats Mitte Juni im Wesentlichen formuliert. Neben dem Menschenrecht auf Nicht-Diskriminierung sind dies vor allem: das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Gesundheit und die Suprematie des Selbstbestimmungsrechts gegenüber dem Elternrecht, wie sie insbesondere im Falle von operativen Genitalkorrekturen (ohne Einwilligungsfähigkeit) im frühen Kindesalter entscheidend ist. Weiterlesen

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Themenschwerpunkt: Integration & Diskriminierung

Zwischenbilanz des Diskursprojekts zum Thema Intersexualität

Prof. Dr. Edzard Schmidt-Jortzig ist Vorsitzender des Deutschen Ethikrates. In diesem Artikel beschreibt er die Zielsetzung für den Online-Diskurs Intersexualität und geht auf Auftrag und Selbstverständnis des Deutschen Ethikrates ein.

Der auf dieser Seite geführte Online-Diskurs, von dem sich der Deutsche Ethikrat nicht nur weitere wichtige Informationen erhofft, sondern mit dem auch ein wechselseitiger Austausch von Betroffenen und Experten in Gang gesetzt werden soll, ist der dritte Schritt eines Diskursverfahrens des Ethikrates. Diesem vorangegangen sind eine Befragung im Mai und Juni 2011 und eine öffentliche Anhörung am 8. Juni 2011. Ziel des Ethikrates ist es, sich auf dem Weg der Befragung und Interaktion ein breites Meinungsbild über die Situation intersexueller Menschen in Deutschland zu verschaffen. Dabei sollen sowohl die intersexuellen Menschen selbst und ihre Angehörigen Gehör finden als auch Sachverständige der verschiedensten Fachrichtungen, die mit dem Thema befasst sind. Weiterlesen

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Themenschwerpunkt: Allgemein

Die öffentliche Anhörung zum Nachlesen

Nachdem die öffentliche Anhörung zur Situation von Menschen mit Intersexualität in Deutschland am 8. Juni 2011 via Audioprotokollen von allen Interessierten nachgehört werden konnte, gibt es die Statements der Experten und Betroffenen nun auch Schwarz auf Weiß. Je fünf Minuten hatten die Redner Zeit, um ihre Standpunkte zum Thema auf der öffentlichen Anhörung vorzutragen. Hier finden Sie nun die PDF-Dateien, die noch einmal festhalten, was in den Redebeiträgen vorgebracht wurde.

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Themenschwerpunkt: Allgemein, Aufklärung & Einwilligung, Integration & Diskriminierung, Lebensqualität, Medizinische Eingriffe, Personenstandsrecht, Vernetzung & Hilfe

Die Betroffenheit aller

In diesem Artikel geht Michael Groneberg, Privatdozent am Departement für Philosophie an der Universität Fribourg/Schweiz und Lehr- und Forschungsrat an der Universität Lausanne, auf einen weiteren zentralen Aspekt in der Diskussion um die Verbesserung der Situation intersexueller Menschen ein: die sozial zu verantwortende Entscheidungs- und Wissensgewinnung unter Einbezug von Sachverstand und Betroffenheit.

Detailfragen zur Einwilligungsfähigkeit und zur Entwicklung der Geschlechtsidentität benötigen weitere Beratung und Forschung, die unter Einbezug Intersexueller erfolgen sollte (nicht nur über sie – die Kinder –, sondern mit ihnen, den erwachsenen Erfahrungsträgern). Dass der Ethikrat neben Sachverständigen auch betroffene Intersexuelle zu diesem Prozess eingeladen hat, ist notwendig und entspricht dem aktuellen Stand der Wissenschaftstheorie (Stichwort Transdisziplinarität). Wenn Wissen über den Menschen Anwendung finden soll, wie im gegebenen Fall, sind neben dem wissenschaftlichen und praktischen Sachverstand (aus relevanten Gebieten wie Recht, Medizin, Psychologie etc.) die Betroffenen mit einzubeziehen. Außerdem ist die Betroffenheit der Sachverständigen in Rechnung zu stellen. Weiterlesen

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Themenschwerpunkt: Aufklärung & Einwilligung, Lebensqualität

Wenn die Grenzen verwischen

Prof. Dr. Hertha Richter-Appelt, stellvertretende Direktorin des Instituts für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, spricht im Interview über die unterschiedlichen Definitionen von Intersexualität und erklärt, warum sie keine Befürworterin der Einführung eines dritten Geschlechts ist. Außerdem plädiert sie für eine Änderung der Behandlungsrichtlinien von intersexuellen Menschen und für Studien, die erforschen, ob diese Änderungen auch eine Verbesserung der Situation von Menschen mit Intersexualität zur Folge haben.


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Themenschwerpunkt: Lebensqualität, Medizinische Eingriffe, Personenstandsrecht