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Vielfältige Impulse durch Online-Diskurs

Acht Wochen nachdem der Deutsche Ethikrat seinen Online-Diskurs zum Thema Intersexualität gestartet hat, wird das Diskussionsforum am kommenden Sonntag geschlossen. Initiatoren und Redaktion sehen in über 650 Wortmeldungen vielfältige Impulse für die weitere Diskussion.

Seit Anfang Juni haben intersexuelle Menschen, Wissenschaftler verschiedener Disziplinen und Mitglieder des Deutschen Ethikrates – mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten und aus ihrer jeweiligen Perspektive heraus – in 49 Fachbeiträgen, davon elf Videointerviews, und mehr als 650 Kommentaren intensiv über die gegenwärtige Situation intersexueller Menschen in Deutschland diskutiert. Etwa 32000 Seitenaufrufe stehen für die große Resonanz, die das Projekt nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern wie der Schweiz, Österreich, den Niederlanden und den USA gefunden hat. Weiterlesen

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Themenschwerpunkt: Allgemein

Erste Stellungnahmen veröffentlicht

Nach mehrfachen Anfragen veröffentlicht der Deutsche Ethikrat nun die Stellungnahmen von Wissenschaftlern zum Thema Intersexualität. Sie wurden im Zuge einer Befragung erhoben, die dem Online-Diskurs Intersexualität und der öffentlichen Anhörung zur Situation von intersexuellen Menschen in Deutschland voranging.

Im Rahmen der Erarbeitung einer Stellungnahme zur Situation intersexueller Menschen hat der Deutsche Ethikrat verschiedene Schritte unternommen, um ein möglichst breites Meinungsbild zu erhalten. Der Online-Diskurs Intersexualität, der um eine Woche verlängert wurde und noch bis zum 7. August 2011 läuft, stellt einen dieser Schritte dar. Zuvor hatte der Deutsche Ethikrat eine öffentliche Anhörung und eine schriftliche Befragung von Betroffenen und Sachverständigen verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen durchgeführt. Im Online-Diskurs wurde mehrfach darum gebeten, die Antworten der Sachverständigen zu veröffentlichen. Der Deutsche Ethikrat kommt dieser Bitte unter Vorbehalt der Zustimmung der Autoren gerne nach. Da noch nicht alle Autoren Rückmeldung auf die Anfrage gegeben haben, stehen bislang nicht alle Statements zur Verfügung. Die Veröffentlichung erfolgt auf der Homepage des Deutschen Ethikrates.

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Themenschwerpunkt: Allgemein

Eine Woche extra. Der Diskurs wird verlängert

Die Debatte ist lebhaft. Die Zahl der Besucher und Kommentare wächst – gerade in den letzten Tagen. Zu dem gab es wiederholte Anfragen aus dem Diskurs das Angebot zu verlängern. Der Ethikrat kommt diesen Wünschen gerne nach. Bis zum 7. August gibt es nun Gelegenheit den Debatten und Kontroversen zu folgen und mit eigenen Kommentaren aktiv mitzuwirken.

Im Anschluss an die öffentliche Expertenanhörung am 8. Juni startete der Deutsche Ethikrat den Online-Diskurs zum Thema Intersexualität. Experten und Betroffene kamen in über 40 Artikeln und Debattenbeiträgen zu Wort. Mehr als 500 Kommentare sind in den letzten acht Wochen eingegangen. Eine ungeahnte Fülle an Positionen, Meinungen, kontroversen Standpunkten und Erfahrungsberichten. Gerade in der zurückliegenden Woche verstärkte sich die Dichte der Debatte noch einmal auffällig. Zum einen, da das hochproblematische Thema der chirurgische Behandlung von Neugeborenen und Kleinkindern noch einmal kontrovers diskutiert wurde, zum anderen, da sich die Gruppe der Kommentierenden noch einmal stark vergrößerte. Um dieser Diskursintensität Rechnung zu tragen, verlängert der Deutsche Ethikrat das Onlineangebot um eine Woche. Auch danach wird der Diskurs für alle interessierten Leser_innen öffentlich bleiben. Jedoch wird es keinen weiteren Artikel mehr geben. Auch die Kommentarfunktion wird dann deaktiviert. Nicht zuletzt weil die dokumentierten Ergebnisse in großem Umfang in die Stellungnahme des Deutschen Ethikrats gegenüber der Bundesregierung einfließen werden.

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Themenschwerpunkt: Allgemein

Die Jagd nach dem „wahren“ Geschlecht

Wann gilt eine Frau als Frau? Die FIFA und andere Sportverbände setzen sich momentan mit dieser Frage auseinander. Sie versuchen zu klären, welche Kriterien erfüllt werden müssen, dass eine Frau im Sport tatsächlich auch als solche gilt. Die Medien lösten durch eine erniedrigende Debatte über das Geschlecht verschiedener Sportlerinnen eine regelrechte Hetzjagd aus. Hinter der Frage nach dem Geschlecht von Sportlerinnen steckt mehr als die bloße Gewährleistung eines scheinbar fairen Fußballspiels oder Wettkampfs.

Breite Schultern, ein markantes Kinn: Äußerliche Merkmale von Männern? Äußerliche Merkmale von Sportlern? Eine Laune der Natur? In zahlreichen Medien wurde mit dem  Beginn der Frauen-Fußballweltmeisterschaft über zwei Spielerinnen von Äquatorialguinea berichtet. Der Grund: ihr männliches Erscheinungsbild. „Wie schon 2008 spielen bei Äquatorialguinea mindestens zwei Männer mit“, äußerte sich die nigerianische Nationaltrainerin schon im November vergangenen Jahres. Solche Zweifel am Geschlecht von Sportlerinnen sind nicht neu. Vor drei Jahren sah sich die Tennisspielerin Sarah Gronert nach Anfeindungen gezwungen, einen Geschlechtstest zu machen. Es sollte bewiesen werden, dass die intersexuell geborene Tennisspielerin, die sich mit 19 Jahren entschied als Frau zu leben, tatsächlich weiblichen Geschlechts ist. Weiterlesen

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Themenschwerpunkt: Integration & Diskriminierung

„Deshalb würde ich nie von Heilen sprechen“

Dr. med. Patricia G. Oppelt leitet seit 2005 die Spezialambulanz für Kinder- und  Jugendgynäkologie an der Universitäts-Frauenklinik Erlangen. Ihre Fachgebiete sind hormonelle Störungen von Kindern und Jugendlichen sowie genitale “Fehlbildungen” im Kindes- und Jugendalter, unter anderem in Bezug auf spätere Fertilität und Endometriose. In diesem Interview berichtet sie darüber, wann sie medizinische Eingriffe bei intersexuell geborenen Kindern für notwendig hält und wann davon abzuraten ist. Außerdem geht sie darauf ein, warum eine Weiterentwicklung der Behandlungsrichtlinien für intersexuelle Menschen nötig ist.

Frau Oppelt, inwiefern setzen Sie sich mit der Thematik Intersexualität auseinander?
Patricia Oppelt: Im Rahmen der Leitung der Spezialambulanz Kinder- und  Jugendgynäkologie sowie der interdisziplinären Zusammenarbeit mit der hiesigen Kinder- und Jugendklinik, mit dem Leiter für Endokrinologie und Diabetologie Prof. Dr. Helmuth-Günther Dörr, betreuen wir Mädchen mit unterschiedlichen Ausprägungen der Intersexualität, insbesondere in Hinblick auf ihre Identifikation als Frau und die entsprechenden körperlichen Ausprägungen, dem intersexuellen Genital. Darüber hinaus habe ich bei verschiedenen wissenschaftlichen Symposien und Vorträgen die Ätiologie von genitalen Fehlbildungen und deren Therapieformen dargestellt. In meiner Habilitation beschäftige ich mich mit dem Thema genitale Fehlbildungen und Möglichkeiten der Fertilität bzw. Reproduktion. Weiterlesen

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Themenschwerpunkt: Medizinische Eingriffe