Vielfältige Impulse durch Online-Diskurs

Acht Wochen nachdem der Deutsche Ethikrat seinen Online-Diskurs zum Thema Intersexualität gestartet hat, wird das Diskussionsforum am kommenden Sonntag geschlossen. Initiatoren und Redaktion sehen in über 650 Wortmeldungen vielfältige Impulse für die weitere Diskussion.

Seit Anfang Juni haben intersexuelle Menschen, Wissenschaftler verschiedener Disziplinen und Mitglieder des Deutschen Ethikrates – mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten und aus ihrer jeweiligen Perspektive heraus – in 49 Fachbeiträgen, davon elf Videointerviews, und mehr als 650 Kommentaren intensiv über die gegenwärtige Situation intersexueller Menschen in Deutschland diskutiert. Etwa 32000 Seitenaufrufe stehen für die große Resonanz, die das Projekt nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern wie der Schweiz, Österreich, den Niederlanden und den USA gefunden hat. Weiterlesen

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Themenschwerpunkt: Allgemein

Das Recht auf freie Selbstbestimmung

Als Teil des weltweiten Amnesty-Netzwerks setzt sich MERSI (Menschenrechte und sexuelle Identität) bereits seit 15 Jahren für die Menschenrechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender weltweit ein. Denn in vielen Ländern der Welt werden Menschen aufgrund ihrer sexuellen Identität diskriminiert, misshandelt, vergewaltigt, inhaftiert, gefoltert und ermordet. Seit einigen Jahren arbeitet die Hamburger MERSI Gruppe zum Thema Menschenrechtsverletzungen an Intersexuellen. Amnesty International nahm bislang keine Position zum Thema ein. Auf Initiative von MERSI Hamburg setzt sich die deutsche Sektion von Amnesty nunmehr auf internationaler Ebene für eine klare Positionierung ein, bei der schwere Menschenrechtsverletzungen an Intersexuellen definiert werden. In diesem Artikel beschreiben MERSI Hamburg ihre Einschätzung zum geführten Diskurs und zum Thema Menschenrechte.

Mit großer Freude haben wir beobachten können, wie sich im Verlauf des Diskussionsprozesses allmählich eine Tendenz herausschälte, die sich im Kern mit der von uns vertretenen Position deckt und unsere Argumente unterstützt – so wie es die ‚Erste Einschätzung’ des Ethikrats Mitte Juni im Wesentlichen formuliert. Neben dem Menschenrecht auf Nicht-Diskriminierung sind dies vor allem: das Recht auf körperliche Unversehrtheit und Gesundheit und die Suprematie des Selbstbestimmungsrechts gegenüber dem Elternrecht, wie sie insbesondere im Falle von operativen Genitalkorrekturen (ohne Einwilligungsfähigkeit) im frühen Kindesalter entscheidend ist. Weiterlesen

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Themenschwerpunkt: Integration & Diskriminierung

Erste Stellungnahmen veröffentlicht

Nach mehrfachen Anfragen veröffentlicht der Deutsche Ethikrat nun die Stellungnahmen von Wissenschaftlern zum Thema Intersexualität. Sie wurden im Zuge einer Befragung erhoben, die dem Online-Diskurs Intersexualität und der öffentlichen Anhörung zur Situation von intersexuellen Menschen in Deutschland voranging.

Im Rahmen der Erarbeitung einer Stellungnahme zur Situation intersexueller Menschen hat der Deutsche Ethikrat verschiedene Schritte unternommen, um ein möglichst breites Meinungsbild zu erhalten. Der Online-Diskurs Intersexualität, der um eine Woche verlängert wurde und noch bis zum 7. August 2011 läuft, stellt einen dieser Schritte dar. Zuvor hatte der Deutsche Ethikrat eine öffentliche Anhörung und eine schriftliche Befragung von Betroffenen und Sachverständigen verschiedener wissenschaftlicher Disziplinen durchgeführt. Im Online-Diskurs wurde mehrfach darum gebeten, die Antworten der Sachverständigen zu veröffentlichen. Der Deutsche Ethikrat kommt dieser Bitte unter Vorbehalt der Zustimmung der Autoren gerne nach. Da noch nicht alle Autoren Rückmeldung auf die Anfrage gegeben haben, stehen bislang nicht alle Statements zur Verfügung. Die Veröffentlichung erfolgt auf der Homepage des Deutschen Ethikrates.

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Themenschwerpunkt: Allgemein

Eine Woche extra. Der Diskurs wird verlängert

Die Debatte ist lebhaft. Die Zahl der Besucher und Kommentare wächst – gerade in den letzten Tagen. Zu dem gab es wiederholte Anfragen aus dem Diskurs das Angebot zu verlängern. Der Ethikrat kommt diesen Wünschen gerne nach. Bis zum 7. August gibt es nun Gelegenheit den Debatten und Kontroversen zu folgen und mit eigenen Kommentaren aktiv mitzuwirken.

Im Anschluss an die öffentliche Expertenanhörung am 8. Juni startete der Deutsche Ethikrat den Online-Diskurs zum Thema Intersexualität. Experten und Betroffene kamen in über 40 Artikeln und Debattenbeiträgen zu Wort. Mehr als 500 Kommentare sind in den letzten acht Wochen eingegangen. Eine ungeahnte Fülle an Positionen, Meinungen, kontroversen Standpunkten und Erfahrungsberichten. Gerade in der zurückliegenden Woche verstärkte sich die Dichte der Debatte noch einmal auffällig. Zum einen, da das hochproblematische Thema der chirurgische Behandlung von Neugeborenen und Kleinkindern noch einmal kontrovers diskutiert wurde, zum anderen, da sich die Gruppe der Kommentierenden noch einmal stark vergrößerte. Um dieser Diskursintensität Rechnung zu tragen, verlängert der Deutsche Ethikrat das Onlineangebot um eine Woche. Auch danach wird der Diskurs für alle interessierten Leser_innen öffentlich bleiben. Jedoch wird es keinen weiteren Artikel mehr geben. Auch die Kommentarfunktion wird dann deaktiviert. Nicht zuletzt weil die dokumentierten Ergebnisse in großem Umfang in die Stellungnahme des Deutschen Ethikrats gegenüber der Bundesregierung einfließen werden.

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Themenschwerpunkt: Allgemein

Die Befreiung aus den medizinischen Denksystemen

Dr. Jörg Woweries war 25 Jahre lang als Arzt und Lehrbeauftragter am Krankenhaus Neukölln tätig und hauptsächlich mit der Betreuung von Neugeborenen beschäftigt. Im Zuge dieser Arbeit begegnete er bei Erstuntersuchungen Neugeborenen, deren Genitale nicht der medizinischen „Norm“ entsprachen. In diesem Artikel setzt er sich mit der gängigen Herangehensweise von Ärzten auseinander, die bei Neugeborenen Intersexualität feststellen, und zeigt wünschenswerte Alternativen der Betreuung von Eltern und ihren betroffenen Kindern auf.

Wer sich mit einem Neugeborenen, das am Genital etwas anders aussieht, an einen Arzt wendet, wird hören, dass dieses Kind ein Patient sei. Das Genital entspricht nämlich nicht der Norm; das Kind habe ein Problem und sei deshalb nicht gesund. Man sagt ihm das aber selbstverständlich in weich gewaschener Sprache – diplomatischer. Man redet von Disorder of  Sex Development (DSD), von Störung oder neuerdings vielleicht nur noch von „differences“, also Unterschieden, der sexuellen Entwicklung. Die Klassifikation der Ärzte, die „International Classification of Diseases“ (ICD 10), hat viele verschiedene Benennungen zur Auswahl. Natürlich bieten die Ärzte auch sofort Hilfen an: „geschlechtsangleichende Operationen“. Weiterlesen

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Themenschwerpunkt: Medizinische Eingriffe