Vielfältige Impulse durch Online-Diskurs

Acht Wochen nachdem der Deutsche Ethikrat seinen Online-Diskurs zum Thema Intersexualität gestartet hat, wird das Diskussionsforum am kommenden Sonntag geschlossen. Initiatoren und Redaktion sehen in über 650 Wortmeldungen vielfältige Impulse für die weitere Diskussion.

Seit Anfang Juni haben intersexuelle Menschen, Wissenschaftler verschiedener Disziplinen und Mitglieder des Deutschen Ethikrates – mit unterschiedlichen inhaltlichen Schwerpunkten und aus ihrer jeweiligen Perspektive heraus – in 49 Fachbeiträgen, davon elf Videointerviews, und mehr als 650 Kommentaren intensiv über die gegenwärtige Situation intersexueller Menschen in Deutschland diskutiert. Etwa 32000 Seitenaufrufe stehen für die große Resonanz, die das Projekt nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern wie der Schweiz, Österreich, den Niederlanden und den USA gefunden hat.

Der Deutsche Ethikrat hat damit erstmals ein digitales und frei zugängliches Mittel der transparenten und partizipativen Kommunikation genutzt, um einen Dialog zwischen Betroffenen und Wissenschaftlern zu ermöglichen und das sehr komplex angelegte Thema Intersexualität einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

Ein erster Blick auf die zahlreichen Wortmeldungen zeigt, dass zum Themenschwerpunkt Medizinische Eingriffe die meisten Kommentare eingegangen sind. Die größten Kontroversen zeichneten sich in Fragen des Personenstandsrechts ab.

Für Michael Wunder, Mitglied des Ethikrates und Sprecher der ratsinternen Arbeitsgruppe zum Thema Intersexualität war der Online-Diskurs für die weitere Arbeit des Ethikrates äußerst hilfreich: „Es sind wichtige und interessante Gesichtspunkte in die Debatte eingebracht worden, die in unserer Stellungnahme eine Rolle spielen werden.“ Die allgemeine Diskussionskultur bewertete Wunder positiv: „Überwogen haben inhaltliche und themenbezogene Einlassungen, manchmal hart formuliert, manchmal sehr persönlich, aber das gehört dazu und tut der Sache keinen Abbruch. Ein  Online-Diskurs ist bei allen damit verbundenen Schwierigkeiten, verletzt zu werden oder selbst zu verletzen, für alle Teilnehmenden eine gute Gelegenheit, sich in der Tugend des gegenseitigen Aushaltens zu üben. Ohne diese Tugend können wir so kontroverse Themen wie den Umgang mit Intersexualität in dieser Gesellschaft nicht fair, menschlich und demokratisch regeln.“

In den kommenden Wochen wird der Ethikrat das Diskursverfahren umfassend auswerten und in seine weiteren Diskussionen einfließen lassen. Die Inhalte des Online-Diskurses bleiben unter http://diskurs.ethikrat.org/ abrufbar.

Allen Autoren und Kommentatoren sei an dieser Stelle für ihr Engagement sowie die vielen konkreten Anregungen und Impulse gedankt, mit denen sie die Diskussion bereichert haben.

Themenschwerpunkt: Allgemein

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Weitere Artikel: Eine Woche extra. Der Diskurs wird verlängert, Digitales Diskurs-Experiment für eine direkte Debatte,

2 Kommentare zu Vielfältige Impulse durch Online-Diskurs

  1. Reno sagt:

    Weh denen, die unheilvolle Gesetze erlassen und unerträgliche Vorschriften machen, um die Schwachen vom Gericht fern zu halten, und den Armen meines Volkes ihr Recht zu rauben, um die Witwen auszubeuten und die Waisen auszuplündern. Jes 10,1-2
    Wie lange wollt ihr unrecht richten und die Gottlosen vorziehen?
    Schaffet Recht dem Armen und der Waise und helft dem Elenden und Bedürftigen zum Recht! Errettet den Geringen und Armen
    und erlöst ihn aus der Gewalt der Gesetzlosen! Psalm 82

  2. folke sagt:

    Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
    den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
    und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
    (Verfasser umstritten)

    Ich wünsche dem Ethikrat vor allem Mut und Weisheit!