Sechs Stunden Schwarz auf Weiß

Bei der öffentliche Anhörung des Deutschen Ethikrates zur Situation von Menschen mit Intersexualität in Deutschland am 8. Juni 2011 wurden von Betroffenen und Experten verschiedene Thematiken aufgegriffen, die zwischengeschlechtliche Menschen betreffen. Hier finden Sie nun die Simultanmitschrift aus sechs Stunden Anhörung und Befragung und somit die gesamten Statements und Diskussionen, die auf der Veranstaltung vorgetragen bzw. geführt wurden: Simultanmitschrift der öffentlichen Anhörung zur Situation von Menschen mit Intersexualität.

Themenschwerpunkt: Aufklärung & Einwilligung, Lebensqualität, Medizinische Eingriffe, Personenstandsrecht

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4 Kommentare zu Sechs Stunden Schwarz auf Weiß

  1. MichelReiter sagt:

    Was mich als Frage an den Ethikrat interessieren würde ist, wie die Zusammenstellung der eingeladenen Gäste zustande kam, also nach welchen Kriterien eingeladen wurde.

    Anlass waren m.W. zwei Schattenberichte von Intersexuelle Menschen e.V. / XY-Frauen und eine Rückmeldung der UN an die Bundesregierung.

    Ich möchte auch ausdrücklich darauf verweisen, dass für eine Stellungnahme an die Bundesregierung von grosser Relevanz ist, wer alles nicht genannt wurde.

    • Markus Bauer sagt:

      Ich finde es sehr schade, dass diese berechtigte und wichtige Frage nach mehr Transparenz bisher unbeachtet blieb.

      Ich denke, außer MichelReiter und mir möchten noch manche andere ebenfalls gerne wissen, nach welchen Kriterien der Ethikrat die „ExpertInnen“ für die Anhörung auswählte, und welche alle angefragt wurden und welche nicht, ebenso für die schriftlichen Stellungnahmen und für den Online-Diskurs. Auch würde mich interessieren, warum die Betroffenen an der Anhörung ihre Vertreter_innen nicht selber bestimmen durften, die Gegenseite (z.B. Netzwerk DSD) dagegen offenbar schon.

      Ebenso wünsche ich mir, der Ethikrat würde offenlegen, nach welchen Kriterien er in seiner Literaturrecherche nach Quellen suchte, und ebenso, welche er schließlich berücksichtigte und welche nicht.

      • Redaktion sagt:

        Der Deutsche Ethikrat möchte seine Stellungnahme auf ein solides Fundament stellen. Dazu ist es den Ratsmitgliedern wichtig, die verschiedenen Perspektiven zum Thema kennenzulernen und möglichst viele unterschiedliche Expertisen dazu einzuholen. Da eine Anhörung zwangsläufig zeitlich und daher auch personell begrenzt ist, hat der Ethikrat beschlossen, zusätzlich eine schriftliche Befragung und einen Online-Diskurs durchzuführen, um allen, die sich beteiligen wollen, die Möglichkeit zu geben, ihre Positionen, Vorschläge und Meinungen einzubringen. Die unterschiedlichen Schritte des Diskursverfahrens fließen alle gleichermaßen in die Beratungen des Ethikrates ein.
        Die Vertreter_innen der Betroffenen bei der Anhörung wurden als Betroffene und in ihrer Funktion als Vorsitzende der, soweit für uns ersichtlich, wichtigsten Betroffenen-Organisationen eingeladen.
        Die Literaturrecherchen des Ethikrates erfolgen nach auf der Grundlage der Kriterien wissenschaftlichen Arbeitens. Literaturhinweise werden gerne aufgenommen.

  2. Reno sagt:

    Die Frage ist, die 6 Stunden schwarz auf weiß festgehalten wurde, ob wir Mißgeburten sind, die behandelt werden müssen oder ob wir Menschen sind.
    Über Mißgeburten gefunden:
    1.
    Ebenfalls medizinisch behandelt wird in den meisten Ländern der Hermaphroditismus, wogegen sich Betroffene in Protestbewegungen zusammengeschlossen haben. Veraltet, heute jedoch meist abwertend wird ein geborenes Lebewesen mit schweren Fehlbildungen auch Missgeburt genannt.Mißgeburt.
    2.
    Einstmals schuf auch die Erde noch zahlreiche Wundergestalten
    Wie zum Versuch, an Gestalt wie an Gliedern seltsam gebildet:
    Hermaphroditen mit Doppelgeschlecht, doch zu keinem gehörig.
    Deshalb konnte ein solches Geschöpf nichts tun noch wohingehn
    Noch der Gefahr sich entziehn noch das, was es brauchte, beschaffen.
    Dieses und derart mehr, Mißbildungen, scheußliche Wunder,
    Schuf sie umsonst; die Natur verweigerte ihnen den Nachwuchs;
    Denn zur ersehnten Blüte vermochten sie nicht zu gelangen
    Noch sich die Nahrung zu schaffen noch gar sich in Liebe zu paaren.
    Denn gar vielerlei muß, wie wir sehen, zusammen sich finden,
    Soll sich ein sterblich Geschlecht fortpflanzen und weiter vermehren:
    Erstens bedarf es der Nahrung und weiter des zeugenden Samens
    In Gefäßen, durch die er sich löst aus den Gliedern und ausfließt.
    Endlich bedarf es der Glieder, durch die sich die beiden Geschlechter
    Können vereinen und tauschen die wechselseitigen Wonnen.
    3.
    Welcher Friede, welche Ehrlichkeit in diesem Verkehr mit dem Monströsen. Nichts in unserer Welt ist monströser als die Ablehnung des Monströsen. Schließt die Mißgeburten ein in ihr Ghetto, wir dürfen sie nicht sehen, es gibt sie gar nicht, sie sind unmöglich. Das gesamte Universum ist unmöglich, und das weiß man ab jetzt hier im Deutschen Ethikrat.

    Sie tragen eine große Verantwortung, vielleicht die Größte, die je Menschen tragen mussten. Handeln Sie weise und hören Sie auf ihre innere Stimme.