Wenn die Grenzen verwischen

Prof. Dr. Hertha Richter-Appelt, stellvertretende Direktorin des Instituts für Sexualforschung und Forensische Psychiatrie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf, spricht im Interview über die unterschiedlichen Definitionen von Intersexualität und erklärt, warum sie keine Befürworterin der Einführung eines dritten Geschlechts ist. Außerdem plädiert sie für eine Änderung der Behandlungsrichtlinien von intersexuellen Menschen und für Studien, die erforschen, ob diese Änderungen auch eine Verbesserung der Situation von Menschen mit Intersexualität zur Folge haben.


Themenschwerpunkt: Lebensqualität, Medizinische Eingriffe, Personenstandsrecht

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Weitere Artikel: Das Recht auf Selbstverortung, Jenseits von Mann und Frau – Anhörung des Deutschen Ethikrates zum Thema Intersexualität, Gegensätzlichkeit und Vielfältigkeit, Das Geschlecht als anthropologische Konstante, Um was es wirklich geht,

30 Kommentare zu Wenn die Grenzen verwischen

  1. Reno sagt:

    Für unbehandelte Herms würde sich nichts ändern, wenn es nach den Wünschen von dieser Frau Dr. geht. Wir wollen aber anerkannt und frei sein. Sie will Studien über legitimierte “Behandlungen”, obwohl die Behandlungen uns erst krank machen, was für ein Hohn. Ich will nicht krank sein oder werden, ich will kein Mitleid und sehe dies als Hass an, warum hassen Sie uns? Sie sollten sich mal klar machen, dass unbehandelte Herms keinerlei Probleme haben und Sie auch nicht aufsuchen würden, warum wohl. Welche Vorteile haben Sie persönlich von den von Ihnen vorgeschlagenen Änderungen? Noch mehr Arbeit, Geld, Prestige und lustige Reisen auf Kosten von Unschuldigen!

    • YMOR sagt:

      Zwei AUssagen sind mir im Gedächtnis geblieben: “Ich hoffe das sich was ändert an den Behandlungsrichtlinien” und “auch die, die nach den neuen Behandlungsrichtlinien behandelt wurden, sollen an Studien teilnehmen, damit man herausbekommt, was problematisch war”.
      Zum ersten: Ich hoffe auch so vieles, zB auf einen Lottogewinn, dass die Menschheit netter wird, das Wetter besser bleibt etc. Hoffen? Wirklich? Wozu dann FOrschung von ihrer Seite, wenn diese nicht zu Forderungen und Konsequenzen führt?
      Zum zweiten: Also ganz ehrlich, was problematisch ist, das sieht doch ein Blinder. Da muss ich nicht erst ne Menge Menschen verstümmeln lassen, um das herauszubekommen. Wenn man, vor allem als Mediziner, mal sein Hirn anschaltet, dann ist doch sternenklar, das die Behandlung einer “sozialen Abweichung” per se problematisch ist. [Aber natürlich geht es nicht nur um die Menschen, die Medizin hat ja auch viele andere Interessen zu vertreten, nicht wahr].

      Ich stimme Reno zu: Was für ein Hohn. Selbsterhaltender Betrieb, keine Probleme mit der Finanzierung, Ehre und Ruhm…

    • Luise Weilheim sagt:

      Ich habe einige Zeit gezögert, ob ich auf dieses Posting reagieren soll. Aber eine Aussage wie “Sie sollten sich mal klar machen, dass unbehandelte Herms keinerlei Probleme haben” finde ich in ihrer Pauschalisierung unerträglich. Da merke ich: Offensichtlich gibt es neben den Schubladen “Mann” und “Frau” noch eine dritte Schublade “Herm”. Und dort lautet die Norm: “Herms” sind nur unbehandelt glücklich. Wer das von sich nicht sagen kann, passt nicht ins Muster. Diese Form der pauschalen Verallgemeinerung macht mich traurig, da ich als intersexueller Mensch in meinem Leben oft genug daran gelitten habe, in irgendwelche Normen nicht hineinzupassen.
      Von mir kann ich jedenfalls sagen, dass ich sehr froh bin, medizinische Behandlung erhalten zu haben, weil ich erst durch die hormonelle Behandlung ganz allmählich begann, mich in meinem Körper wohler zu fühlen. Ohne diese Behandlung hätte ich mir wohl früher oder später das Leben genommen.

      • Reno sagt:

        Hallo Luise,

        als kl. Kind fragte ich mich und Gott immer, wo die Anderen sind. Als Antwort war mir schnell klar, dass sie sich wohl umbringen, da die Situation unerträglich ist und das Überleben für uns, auch für mich, Schwerstarbeit ist. Ich habe mir damals vorgenommen, dass ich mich niemals umbringen werde, niemals. Nur mein Glaube an Gott gibt die Kraft, an mich selbst zu glauben. Ich war fast 30, als ich es endlich schriftlich in den Händen hielt, dass ich wirklich das bin, was mir jede Zelle, meine Seele und mein Herz sagt. Vor der 1 Nieren-Funktions-Untersuchung brach ich auf der Straße fast zusammen, ich konnte einfach nicht mehr. Die Welt will mich nicht, ich will aber dieser Welt leben, obwohl ein Urlaub jährlich unter uns schon toll wäre. Ich liebe diesen Planeten und seine Menschen, die Musik!!! und so vieles mehr aber auch mich. Wenn wir mal als das offiziell leben dürfen, was wir sind, werde ich auch wieder zusammenbrechen. Ich hoffe nur, dass danach meine Rückenschmerzen weg gehen, die ich habe, seitdem ich arbeite und ganztags eine Frau spiele. Mit Tränen in den Augen, in der Hoffnung, dass Du nicht wegen mir leidest will ich sagen, ich habe mich aus Liebe zu allen Herms nicht umgebracht.

        • @ Reno und Luise
          An eurem Schreiben spürt man den Respekt und die Sorge für und um den den Anderen, die Dünnhäutigkeit, die uns, die Herms, Zwitter, intersexuellen, zwischen-weder -noch- Menschen ausmacht und uns auch in unserer Individualität wieder trennt. Luise sagt: gut das ich Hormone bekommen habe, sie haben mir mein jetziges Leben ermöglichen, ich wollte sie, um zu sein. Sage nicht, das mein Wille nicht gut war. Reno sagt:hätten die andern mich doch so sein wie ich sein wollte… Sage mir nicht, dass mein Wille nicht gut war.
          Es geht um das sein wollen. Um den eigenen Wunsch.

          Niemand will hier jemandem etwas nehmen… jeder soll wollen dürfen, aber nicht müssen, wenn er nicht will. Das ist das Ziel und unser Recht.

          Es ist schön mit euch sein zu dürfen, öffentlich sein zu dürfen, ohne Tabu, mitten drin im Leben…. Gute Träume!

  2. MichelReiter sagt:

    Danke für die Beantwortung der eingangs gestellten Frage, woher diese Aussage der UN stammt:: “Der Ausschuss bemerkt mit Sorge, dass transsexuelle und intersexuelle Menschen oft als Menschen mit geistiger Erkrankung betrachtet werden und dass die politischen Maßnahmen des Vertragsstaates, gesetzgeberische und andere, zur Diskriminierung dieser Menschen geführt haben, wie auch zu Verletzungen ihrer geschlechtlichen und reproduktiven Gesundheitsrechte. (Art. 12, 2.2).” (Quelle: http://www2.ohchr.org/english/bodies/cescr)

  3. Kim Schicklang sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Der Titel meines Beitrags müsste lauten: Warum transsexuelle Menschen dafür missbraucht werden, die Rechte intersexueller Menschen zu beschneiden. Es ist unglaublich, wie Menschen den Ethikrat “beraten” können, die immer noch behaupten, transsexueller Menschen würden sich wie “ein Geschlecht fühlen”. Mit “fühlen wie” hat Transsexualität nämlich relativ wenig zu tun, sondern mit einem SEIN. Psychoanalytiker, die in den 70er-Jahren noch der Ansicht waren, Homosexualität sei eine psychische Abweichung von der biologisch angeborenen Hetreosexualität, behaupten heute regelmässig, dass Transsexualität eine “Anweichung vom biologischen Geschlecht bedeutet”. Die Diskriminierung transsexueller Menschen ist aber nicht weniger gross, wie in den 70ern und Zeiten, in der Homosexualität noch als psychische Störung galt. Diese Diskriminierung transsexueller Menschen ist menschenverachtend und wird von Menschenrechtsorganisationen international stark kritisiert. Warum der Ethikrat hier den Menschen eine Plattform bietet, die diese Ansichten verbreiten ist mir unverständlich.

    Nun zur Erklärung: Natürlich ist Transsexualität biologisch erklärbar. Natürlich ist Transsexualität natürlich und kein psychisches Phänomen, das es zulassen würde, diese in der Natur vorkommende geschlechtliche Abweichung auf ein “fühlen wie” zu reduzieren. Das liegt daran, dass die Natur nicht aus Ken-und-Barbies besteht und Geschlecht eben gerade nicht zwischen zwei Polen (Mann und Frau) liegt, sondern zwischen vielen dergleichen. Das ist auch ziemlich einleuchtend, da es genügend biologische Geschlechtsmerkmale gibt, die voneinander abweichen können und somit – will man hier logisch bleiben – eben keine Linie zwischen dem einen Geschlechtsmerkmal von links (z.B. Frau) nach rechts (z.B. Mann) gezogen werden kann, sondern es eben viele dieser Linien geben muss.

    Die geschlechtliche Abweichung von Transsexualität ist auch einer dieser Faktoren. Dass diese Abweichung “natürlich” ist, wird durch zahlreiche Studien seit Jahren belegt. Ebenso lange werden diese aber von einer Lobby von Medizinern, die immer noch das Märchen von der “psychosexuellen Identität” erzählen wollen (das mit dem “fühlen wie”) verheimlicht oder als “wir haben da noch nicht genug Erkenntnisse” herunter gespielt.

    Was glauben sie, würde passieren, wenn endlich einmal klar würde, dass wir seit Jahrzehnten wissen, dass Geschlecht sich in erster Linien eben nicht zwischen den Beinen abspielt und ebenso wenig mit dem Begriff “gender” bzw. “gefühltes Geschlecht” zu tun hat, sondern in Realität geschlechtliche Abweichungen zahlreich, vielfältig und eher die Regel als die Ausnahme sind? Dann müsste man zugeben, dass Ärzte und Mediziner das Geschlecht eines Menschen auch nicht bestimmen können: Weder durch Zuweisung irgendwelcher Genitale, noch durch Evaluation eines sogenannten “gefühlten Geschlechtes”.

    Natürlich ist Frau Richter-Appelt und ihre Zunft daran interessiert, bei der Sache mit dem “gefühlten Geschlecht” mitspielen zu dürfen um auch intersexuellen Menschen zu ihrem “gefühlten Geschlecht” zu verhelfen. Warum will sie kein 3. Geschlecht als Eintrag? Es ist ganz einfach: Dort wo es darum geht, festzustellen ob ein Mensch lieber “als Mann fühlt” oder “als Frau fühlt”, da braucht es, so der Trick, eben jemanden, der als Experte in der Nähe ist und der dann hinzugezogen werden muss. Wenn dann noch eine Behandlungsrichtlinie dazu kommt ist das sicher noch besser… international bereits gibt es diese Pläne ja bereits. Kollegen von Frau Richter-Appelt planen ja bereits daran, dass intersexuelle Menschen in Zukunft auch im DSM, dem Buch der psychischen Störungen auftauchen. Übrigens würde es dem Ethikrat gut stehen, sich hier in die Thematik einmal einzulesen und nicht Interessen einer Psycholobby ungefragt und unkritisiert zu übernehmen.

    Es mag sein, dass Menschen mit geschlechtlichen Abweichungen dieses Spiel in Deutschland mit sich machen lässt – eine Menschenrechtsverletzung ist es trotzdem.

    Eine Frage zu guter letzt: Nachdem Frau Appelt hier ja wieder öffentlich die Menschenrechte transsexueller Menschen verletzen darf…. schliesst sich der Ethikarat da an die Haltung von Frau Appelt an? Wenn es so wäre, dann hat der “Ethikrat” seinen Namen aus meiner Sicht nicht verdient. Dann sollte man ihn in “Lobbyrat” umbenennen.

    Mit freundlichen Grüssen,

    Kim Anja Schicklang
    Eine Frau, die sich noch nie in ihrem Leben “gefühlt hat, wie eine Frau” und die sich wünscht, dass intersexuelle, homosexuelle und transsexuelle Menschen endlich gemeinsam um ihre Rechte kämpfen, und sich nicht weiterhin als Versuchskaninchen für geschlechtliche Ideologien (von wegen “gefühltes Geschlecht”) hergeben.

    • MichelReiter sagt:

      “Kollegen von Frau Richter-Appelt planen ja bereits daran, dass intersexuelle Menschen in Zukunft auch im DSM, dem Buch der psychischen Störungen auftauchen.” Fehlen nur noch die Medien, die das dann verbreiten, irgendein Irrer findet sich bestimmt.

      Der Beitrag von Richter-Appelt hätte mit “Im Anfang war das Chaos” übertitelt werden sollen. Das Gerede unterscheidet sichin nichts von den 1950er Jahren und die 3,4 Millionen Euro für das Netzwerk DSD sind natürlich längst versenkt, jetzt braucht es wieder Aquise.

      Unendlich zynisch beforschen zu wollen, was an Genitalverstümmelungen, beginnend in Auschwitz, und Negation des intersexuellen biopsychosozialen Seins schief gelaufen sein mag.

      Man mag gerne beforschen, was in der Biographie dieser unwissenschaftlichen (irren?) Sexualforschern schief gelaufen ist, dass sie nicht in der Lage zu einer klaren, logischen Argumentation sind.

  4. Die menschliche Spezies bringt nicht nur Männer und Frauen hervor, dies dürfte unstrittig sein. Die Normierung in die Zweigeschlechtlichkeit zwingt intersexuelle Menschen ihr Leben lang zu lügen. Ja, sie werden gezwungen den Staat zu belügen, immer dann, wenn sie statistische Angaben machen müssen.

    Ich denke nicht, das das Zeitgeschlechtermodell keine Zukunft hat. Das wäre so, als würden wir darauf bestehen, die Erde sei eine Scheibe…..

    Verhält es sich nicht vielmehr mit dem Geschlecht wie mit der Erde?!
    Ist Geschlechtlichkeit nicht wie die Erdkugel. An den Polen (m/w) ist es viel zu kalt, da lebt kaum ein Mensch, doch dazwischen, auf den Landmassen, dort leben die Menschen, einige dicht am Äquator. Greifen wir ein, dann entwurzeln wir die Menschen. Zu wissen, woher man kommt und wer man ist ist, gehört zu den elementare Menschenrechten. Eine kosmetische Operation am Genital, eine Gonadektomie, stellen eine Entwurzelung dar. Das Vorenthalten, das Verheimlichen durch Nichtaufklärung und Vorenthalten der Patientenakten machen die Heimatsuche zu einer Hürde, die unüberwindlich wird für die Opfer.

  5. YMOR sagt:

    Ich wäre ja dafür, NEUE Behandlungsleitlinien einzuführen und diese zu evaluieren.
    Sie beinhalten 3 wesentliche Kernpunkte
    Punkt 1: Keine Behandlung.
    Punkt 2: Keine Behandlung.
    Punkt 3: Keine Behandlung.

    Da keine Behandlungen vorgesehen sind, brauchen wir auch keine Forschung mehr. [Ironie aus]

    Sorry, keine Millionen mehr für Forschungsprojekte über Zwitter, die man ja nur beforschen kann, weil man sie erst einmal so richtig kaputt macht.
    Ich wünschte mir, dass eben nicht hohle Phrasen wiederholt würden, sondern mal konkret was passiert. Und damit meine ich nicht, dass man noch eine Studie macht mit krankbehandelten Menschen, damit man dann sagen kann, ups, man sollte doch die Behandlung überdenken. Neue Behandlung – neues Glück, oder wie?

    Ich finde es echt traurig und ich werde auch richtig wütend, wenn ich sehe, wie die Forschung gemacht wird. Man erzählt den Betroffenen, das würde helfen, auch den folgenden Generationen. DAnn sagt man, man würde sie ja auch einbeziehen. Und dann macht man es einfach nicht, man übergeht sie und schert sich einen Teufel drum. Das war meine Erfahrung mit dem Netzwerk und als Wissenschaftler finde ich dieses Verhalten moralisch unterste Schublade.

  6. Redaktion sagt:

    Der an dieser Stelle veröffentlichte Kommentar wurde wegen eines Verstoßes gegen die Allgemeinen Nutzungsbedingungen gelöscht.

    • Kim Schicklang sagt:

      Aussenstehende können oft kaum begreifen, dass die Zeit des Nationalsozialismus für nicht alle Menschen, die in unserer Gesellschaft als “geschlechtlich abweichend” gelten, bereits aufgearbeitet, geschweige denn in seinen Auswirkungen und Nachwehen bereits beendet ist. Es ist so unglaublich, wenn mensch sich überlegt, dass wir bereits im Jahr 2011 leben, dass im Bereich der sogenannten “Sexualforschung” noch einige Leichen im Keller liegen. Man könnte fragen Stellen wie: Wer war Werner Villinger? Wer dann bemerkt, dass er nicht nur T4-Gutachter war, sondern auch Vorsitzender der DGfS (zumindest, wenn man Katharina Gröning glauben schenken darf, die das in ihrem Buch “Entwicklungslinien pädagogischer Beratungsarbeit”, 2010 so ausführt) wird sich vielleicht daran erinnern, dass die DGfS von NSDAP-Mitglied Hans Giese einst gegründet wurde und dann vielleicht anmerken: Moment, es gab doch Ende der 60er eine neue Generation von Sexologen, die sich kritisch mit dieser Vergangenheit auseinandergesetzt haben. Volkmar Sigusch zum Beispiel, der ja selbst meint, dass die Aufarbeitung der dunklen Seite der Sexualforschung erst beschämend spät, nämlich Ende der 80er-Jahre, begonnen hat. Möglicherweise war Sigusch da etwas optimistisch mit seiner Einschätzung, denn solange immer noch darüber diskutiert wird, wer “von Aussen” über die Geschlechtszugehörigkeit eines Menschen bestimmen darf und immer noch nicht klar und deutlich gesagt wird “niemand” (was die einzige Antwort sein kann, wenn man aus der Geschichte gelernt haben will), steht die Aufarbeitung der Schatten der Sexualforschung wohl noch erst bevor.

      • Hertha Richter-Appelt sagt:

        Sehr geehrte Kim Schicklang,

        Die Aussage “ich bin ein Mann” oder “ich bin eine Frau” bezieht sich sowohl auf das körperliche wie das psychische Geschlecht. Die psychische Seite meint das Gefühl, sich als Frau zu erleben, die physische, einen weiblichen Körper zu haben. Mit dieser Aussage ist noch nichts darüber ausgesagt, wieviele Geschlechter es gibt, bzw. geben soll. Bei Transsexuellen stimmen diese Aspekte nicht überein.

        Wiederholt habe ich daraufhin gewiesen, dass es sowohl auf psychischer wie auch körperlicher Seite mehr als zwei Geschlechter gibt, allerdings meiner Meinung nach nicht drei sondern eine Vielzahl. Die Einhaltung der Menschenrechte sollte fordern, diese Vielzahl zu berücksichtigen und vor allem Menschen in möglichst vielen Situationen es zu überlassen, ob sie eine Aussage über ihr Geschlecht machen wollen oder nicht.

        Intersexualität sollte im DSM nicht als psychische Störung auftauchen. Vielmehr soll bedacht werden, dass sowohl Personen mit Transsexualität wie auch mit Intersexualität unter einer Geschlechtsdysphorie (Unsicherheit hinsichtlich ihrer Geschlechtszugehörigkeit und einem damit verbunden Leidensdruck) leiden können, sowie unter anderen psychischen Problemen wie etwa Depressionen auch. In diesem Fall sollte es möglich sein eine Psychotherapie in Anspruch nehmen zu können.

        Um die Situation Transsexueller und Intersexueller in unserer Gesellschaft verbessern zu können, benötigen wir weitere Forschung, da noch viele Fragen ungeklärt sind.
        Mit freundlichen Grüßen
        H. Richter-Appelt

        • Reno sagt:

          Eine Frau, die sich noch nie in ihrem Leben “gefühlt hat, wie eine Frau” !
          Das sagte Kim bereits. Ich muss auch als Frau leben und “weiß” seit ich ein kleines Kind war, dass ich keine bin. Ich wollte auch nie eine sein und kann auch kein Mann sein. Die von Ihnen angesprochene Unsicherheit betrifft nicht uns, ich war mir immer klar, dass ich ein Hermaphrodit bin, zu 100 %. Die Menschen sind sehr unsicher, wenn sie erkennen, dass man manchmal als Frau und ein anderes mal als Mann wirkt. Deswegen sollten Sie bitte ab jetzt anerkennen, dass die Unsicherheit der Aussenstehenden damit beendet werden kann, indem ein 3. Geschlecht für eindeutig hermaphroditische Menschen lt. Gesetz installiert wird. Im Kopf besteht bei uns kein Zweifel, die Gesellschaft bürdet uns nur ihre Zweifel auf und kann damit offenbar nicht umgehen. Wir sind etwas ganz anderes als eine verilisierte Frau oder ein androgyner Mann, wir sind ein anderes Geschlecht, wir sind Hermaphroditen, bitte akzeptieren Sie uns und unsere Forderung. Wir können niemals als Mann oder Frau leben ohne zu leiden, da es einfach zu weit entfernt ist, von dem was wir sind. Ich habe keine Ahnung vom Frausein oder vom Mannsein. Damit lassen Sie uns dann stehen als wären wir zu blöd, zu wissen was wir sind. Sie sehen das als Unsicherheit, wir sind uns jedoch voll und ganz sicher, jeweils ein vollkommener Hermaphrodit zu sein, deshalb wird unsere Inteegrität durch die Behandlungen und die Verheimlichung zerstört. Das ist ein völlig anderes Geschlecht, wenn Sie einer wären, wüssten Sie es. Ich verlange von Ihnen, da jeder Mensch sich in einen anderen hineinversetzen kann, dass sie es wenigstens probieren. Wir versuchen ständig, uns in die Denkweise von Frauen und Männern hineinzuversetzen, um zu verstehen, warum sie uns nicht sehen können. Wir schlagen dann auch fehl, deswegen “bitte erklären Sie uns, warum Sie ein 3. Geschlecht verhindern wollen, obwohl wir das wollen, WARUM?” Wir müssen reden, sonst ändert sich nichts und wir werden weiter die sein, die sich entschuldigen müssen, wenn sie “anders” sind, die Angst vor Ärzten haben und sich wie Aliens fühlen. Ihre Position ist falsch, wenn sie uns verrücken, verletzen und zerstören Sie uns, Sie müssen sich bewegen, um uns zu sehen zu können. Ich bin einfach ein Hermaphrodit, der keine Angst mehr haben will und mir das für alle Hermaphroditen so sehr wünsche. Erst dann werden wir frei sein und die schrecklichen Änderungen hinter uns lassen können. Wir sind uns unserer Selbst absolut sicher, absolut und auch darüber, dass Sie uns einfach nicht sehen und nicht an uns glauben.

          • Luise Weilheim sagt:

            Ich finde es schwierig, wenn ich hier solche Aussagen lese: “Wir sind uns jedoch voll und ganz sicher, jeweils ein vollkommener Hermaphrodit zu sein, deshalb wird unsere Inteegrität durch die Behandlungen … zerstört.” Dass Du, Reno, dies so empfindest, glaube ich. Das ist Deine Lebenswirklichkeit. Meine Lebenswirklichkeit ist es nicht, obwohl auch ich ein intersexueller Mensch bin, wenn auch mit einer sehr seltenen Diagnose (LH-Rezeptor-Defekt bzw. Leydigzell-Hypoplasie). Wenn dann so nachdrücklich die Einführung eines dritten Geschlechtes als Lösung eingefordert wird, dann lässt mich das sehr einsam zurück: Es gibt mir das Gefühl, es soll eine neue, eine dritte Schublade gezimmert werden, in die sich dann alle diejenigen einfinden dürfen, die sich als “vollkommene Hermaphroditen” empfinden. Eine neue Norm, in die ich auch wieder nicht passe. Denn ich lebe als Frau, bin glücklich als Frau, wenn auch als sehr besondere Frau, nämlich als XY-Frau.
            Die medizinischen Behandlungen, die ich erfahren habe, haben mich aus der Hölle gerettet, mich seelisch als Frau zu fühlen, aber in einem Körper zu leben, der einfach neutral blieb, wie der Körper eines kleinen Mädchens vor der Pubertät. Durch die medizinische Behandlung wurde meine Integrität nicht zerstört, sondern erst wiederhergestellt. Leider begann die medizinische Behandlung erst, als ich bereits 17 Jahre alt war und schon einige Jahre der Hölle hinter mir hatte. Mein Lebensweg ist nicht einfach, ich bin vielfach am Ringen, muss mich heute mit Osteoporose und vielen anderen körperlichen Einschränkungen auseinandersetzen. Und ich wünsche mir – und vor allem auch der nächsten Generation – vielfältige Unterstützung und Hilfe, um den jeweils eigenen Weg gehen zu können. Eine pauschale Aburteilung der gesamten “Medizinerschaft” finde ich dabei absolut unangebracht und destuktiv.
            Zum Abschluss möchte ich noch einmal betonen: Hier handelt es sich um meinen Weg und mein Empfinden. Ich erhebe nicht den Anspruch, für intersexuelle Menschen generell – oder auch nur für die Gruppe der Menschen mit LH-Rezeptor-Defekt bzw. Leydigzell-Hypoplasie – zu sprechen. Aber ich wehre mich dagegen, wenn andere in dieser Form pauschalisierend reden und ihr eigenes, persönliches Erleben auf alle anderen zu übertragen. Es gibt nur einen richtigen Weg – Deinen eigenen. Diesen Weg zu finden – unabhängig von Geschlechternormen (egal, ob zwei oder drei) und gesellschaftllichen Erwartungen – ist eine Riesen-Aufgabe. Eine Aufgabe, bei der man immer wieder an die Grenzen der eigenen Kraft stoßen kann und bei der man jede denkbare Unterstützung verdient hat – von Selbsthilfegruppen, geliebten Menschen, Fachleuten im Bereich der Psychologie, Seelsorge, Medizin, Wissenschaft.

            • Reno sagt:

              Luise, ich glaube Dir, dass Du eine vollständige Frau bist. Ich hab Frauen leider noch nie verstanden, hab nur Freunde und stehe auf Männer. Ich möchte Dir nicht wehtun. Ich glaube nicht, dass Du oder andere, die sich als Frauen fühlen, gezwungen werden, in die Kategorie der Hermaphroditen zu wechseln. Bei mir wirken beide Hormone, bei Dir nur die weiblichen. Die Ärzte haben studiert, auch die meisen Politiker, die können und sollten darüber nachdenken, dass es aber auch Hermaphroditen gibt, die durch die beiden Hormone eben zu einem anderen Geschlecht geworden sind, was sie stolz leben wollen, ich schäme mich meiner nicht. Dass Du nur als Frau leben kannst, weil die Hormone Dich dazu gemacht haben, ist sonnenklar, es wäre Blödsinn, Dich zu zwingen, als Hermaphrodit zu empfinden. Aber versteh bitte, dass ich mich nicht in eine Frau hineinversetzen kann, das ist mir völlig unmöglich. Schau, wenn die Zwangs-OP`s verboten sind, kann sich jeder, wenn er soweit ist, für ein Geschlecht entscheiden. Wir, die sich als Herms fühlen, können das jedoch noch nicht. Ich will nur, was Du hast, ich will das Gleiche, als das leben, was ich bin. Wenn Sie Euch zwingen sollten, in der für Euch falschen Geschlechtsschublade zu leben, als Herms, kannst Du vielleicht nachempfinden, was ich und die auch beide Hormone haben, ertragen müssen. Dass das für Dich eine Horrorvorstellung ist, ist für uns tagtägliche Realität. Ich muss jetzt in die Arbeit, als Frau mit Namensschild, ich presse die Lippen zusammen, das wünsche ich Dir nicht. Wünsch uns, dass das ein Ende hat. Dein Freund Reno

        • Reno sagt:

          Ihr Forschungsansatz kann ganz leicht und billig ohne Schmerzen verwirklicht werden: Ein fiktives Cafè mit 3 für alle sichtbare Clos. In der Mitte für Hermaphroditen. “Intersexuelles Kind” von ca. 3 bis 5 Jahren und älter sitzt da und isst Kuchen mit Eltern und Freunden. Keiner sagt was zu den Clos (wichtig). Auf welches Clo rumpelt dieses Kind, wenn es strullern muss? Mit diesem Blindversuch wären wohl alle Forschungsergebnisse abgedeckt.

        • Kim Schicklang sagt:

          Sehr geehrte Frau Richter-Appelt,

          Forschung sollt nicht dafür missbraucht werden, Geschlechtsbestimmungen “von Aussen” zu rechfertigen. Wenn Sie dafür eingesetzt wird, dafür zu argumentieren, dass zualler erst einmal das Selbstbestimmungsrecht von Menschen akzeptiert werden muss, kann sie hilfreich sein. Wie ernst es “Forschenden” ist, zeigt sich aber daran, ob sie uneingeschränkt bereit sind, geschlechtliche Vielfalt anzuerkennen. Die geschlechtliche Selbstbestimmung anzuerkennen, braucht kein “da ist noch Forschung nötig”, sondern lediglich einen Willen “Ja” zu sagen.

          Solange aber sie dem Irrtum anhängen, einerseits zu sagen, sie wüssten nicht, was Geschlecht ist, aber Sekunden vorher noch vom “biologischen Geschlecht” sprechen (ja liebe “Intersexe”, wie sie über transsexuelle Menschen sprechen, verrät viel darüber, was sie von Euch denken ;-) ), passt da Anspruch und Wirklichkeit wenig zusammen. Es klingt dann zwar ganz nett, in welche Worte sie sich zu hüllen versuchen, dennoch widersprechen Sie sich damit selbst.

          Der Versuch, die Geschlechtszugehörigkeit eines Menschen dadurch in Frage stellen zu können, indem man die Komponente “psychisches Geschlecht” eingeführt hat, ist – zu dieser Überzeugung bin ich mittlerweile gekommen – auch zu einem der Werkzeuge geworden, Menschen die Autonomie über ihr Geschlecht zu rauben. Kein Wunder geht es im oben angesprochenen DSM, den sie ja hier verteidigen, nicht um geschlechtliche Selbstbestimmung, sondern um Abweichungen zu einem gesellschaftlichen Geschlechterbild, das Menschen in Ken und Barbie (sie können gerne auch Adam und Eva dazu sagen) teilt.

          Sie können hier ja mal schauen, in wievielen Sätzen es nicht um Geschlecht, sondern um geschlechtliche Mann-Frau-Klischees geht:
          http://www.dsm5.org/ProposedRevisions/Pages/proposedrevision.aspx?rid=192

          Übersetzt finde ich hier “andere Geschlechtsrollen” (die andere zu der einen, nehme ich an, oder?), “weibliches Verhalten” (was soll das sein?), “männliche Kleidung” (hat schon Kleidung ein Geschlecht?… soso), typisch “männliches” oder “weibliches” Spielzeug (sieh mal an, was alles ein Geschlecht hat,…), usw…

          Seien sie ehrlich. Die Erfindung der “Geschlechtsidentität” (John Money), war schon von Beginn an ein Machtinstrument und Zuweisungsmittel um Menschen einem gesellschaftlichen Mann-Frau-Weltbild zuzuordnen. Dass sie dabei transsexuellen Menschen (oder den Menschen, die so genannt werden), gleichzeitig ihre Geschlechtszugehörigkeit aberkennen mussten (eine transsexuelle Frau ist seitdem ja “biologischer Mann mit Geschlechtsidentitätsstörung”), um geschlechtliche Zuweisungen auf breiter Flur vornehmen zu können, ist nur eines der traurigen Tabus, die längst angepackt gehören, anstatt immer so zu tun, als gäbe es diesen Zusammenhang nicht.

          Es ist eine Schande, wie immer noch so getan wird, als müsse man Menschen an die gesellschaftlichen Klischees über Geschlecht anpassen, anstatt diese Klischees zu verurteilen. Auch dazu braucht es kein weiteres Abwarten und keine Forschung. Um einen Menschen in seinem Selbst anzuerkennen, müssen zuvor auch keine “ungeklärten Fragen” (deren angebliche Ungeklärtheit durchaus selbst in Frage gestellt werden könnte) beantwortet werden. Denn auch da braucht es nur den Willen dazu, es einfach zu tun.

          Mit freundlichen Grüssen,
          Kim Schicklang

          • MichelReiter sagt:

            Dies ist kein Transsexuellenforum. Der Einwand zu DSM 5 ist geklärt worden. Und auch für Tippfehler wird es keine Akzeptanz geben.

            • Kim Schicklang sagt:

              Hallo MichelReiter,
              überlegen Sie mal, was ihr Hinweis auf “kein Transsexuellenforum” (danke dafür, aber das weiss ich selbst) mit der Geschichte der geschlechtlichen Zuweisung von Menschen zu tun hat. Vielleicht kommen Sie da ja auf was. Es könnte ja sein, dass sie da merken, woher die Legitimation für solche Zuweisungen genommen wird.
              Herzliche Grüsse

        • Aivlys sagt:

          Zitat von Hertha Richter-Appelt:
          Intersexualität sollte im DSM nicht als psychische Störung auftauchen. Vielmehr soll bedacht werden, dass sowohl Personen mit Transsexualität wie auch mit Intersexualität unter einer Geschlechtsdysphorie (Unsicherheit hinsichtlich ihrer Geschlechtszugehörigkeit und einem damit verbunden Leidensdruck) leiden können, sowie unter anderen psychischen Problemen wie etwa Depressionen auch. In diesem Fall sollte es möglich sein eine Psychotherapie in Anspruch nehmen zu können.

          Intersexualität sollte im DSM nicht als psychische Störung auftauchen.
          Das ist richtig so

          Personen mit … Intersexualität … Unsicherheit hinsichtlich ihrer Geschlechtszugehörigkeit und einem damit verbunden Leidensdruck …
          Wieso Unsicherheit der Geschlechtszugehörigkeit??? Je nach dem wie stark die Hormone einen Einfluss wärend der Entwicklung im Mutterleib genommen haben, so kann man sich auch selbst als Wedernoch fühlen. Sie Frau Richter-Appelt sollten das aber eigendlich wissen!
          Wieso stecken Sie uns mit Transsexuellen in eine Schublade? Transsexuelle fühlen sich dem anderem Geschlecht zugehörig und wollen ihren Körper bzw. äusseres Erscheinungsbild so weit wie möglich zum anderen Geschlecht hin anpassen. Sie Frau Richter-Appelt sollten das aber eigendlich wissen!

          Unsicherheit hinsichtlich ihrer Geschlechtszugehörigkeit und einem damit verbunden Leidensdruck …. In diesem Fall sollte es möglich sein eine Psychotherapie in Anspruch nehmen zu können.
          Also haben intersexuelle Menschen die sich Aufgrund ihrer Natur als Wedernoch fühlen dann doch ein psychisches Leiden?
          Warum soll ein intersexueller Mensch psychologische Hilfe in Anspruch nehmen, wenn doch ein anderer Mensch ein Problem mit dem Sein des intersexuellen Menschen hat? Dadurch wird alles nur noch schlimmer für den intersexuellen Menschen, aber Hauptsache die Geldbörse des Psychologen füllt sich.
          Warum verlangen Sie von uns, dass wir uns verbiegen sollen für die Gesellschaft? Das macht uns kaputt!

          Gruß
          Aivlys (Ein Hermi mit Leydigzell-Hypoplasie Typ2 der sich als Wedernoch fühlt)

          • Kim Schicklang sagt:

            “Transsexuelle fühlen sich dem anderem Geschlecht zugehörig und wollen ihren Körper bzw. äusseres Erscheinungsbild so weit wie möglich zum anderen Geschlecht hin anpassen. ”

            Nein. Es ist einfach eine unglaubliche Respektlosigkeit so etwas immer wieder lesen zu müssen.

          • claudia sagt:

            “Intersexualität sollte im DSM nicht als psychische Störung auftauchen.”
            Das steht ja so nicht drin, kann auch nicht, weil Psychiatrie sich primär nicht mit dem Körper befasst.

            Drin steht unter “Gender Identity Disorder”:
            Subtypes:
            with DSD
            without DSD

            Im Gegensatz zu früheren Darstellungen, nach denen eine “Störung der Geschlechtsidentität” nur bei einem geschlechtlich eindeutigen, nicht intersexuellen Körper vorkommen könne, geht das neue DSM also davon aus, dass bei einer “Gender Identity Disorder” auch der Körper “gestört” sein könne.
            Natürlich kann jede/r einem Psychiater erzählen und vorführen, was er/sie zuvor in den Massenmedien über “Transsexualismus” gelesen, gehört, gesehen hat. Auch Zwitter können das, wenn sie mit dem anderen als eingetragenen Gender besser zurecht kommen.

        • Reno sagt:

          Frau Richter-Appelt, Sie sagten “Wiederholt habe ich daraufhin gewiesen, dass es sowohl auf psychischer wie auch körperlicher Seite mehr als zwei Geschlechter gibt, allerdings meiner Meinung nach nicht drei sondern eine Vielzahl” Was genau meinen Sie damit? Konkretisieren Sie das bitte für mich, da ich noch nie davon gehört habe, dass Menschen so was fordern, woher haben Sie das?

          Erkenntnis beinhaltet auch die Einsicht in die Bedeutung eines Sachverhalts, ob z. B. eine Information wichtig ist für eine Problemlösung. Einsicht bedarf hingegen nicht zwingend einer Begründung, z. B. wenn man einsieht, dass etwas Gewünschtes sich nicht realisieren lässt, aber den Hinderungsgrund dafür nicht erkennt. Ähnlich wie Wissen ist Erkenntnis mit dem Anspruch der Richtigkeit verbunden.
          Nur eine Theorie, die falisifizierbar ist, erfüllt das Kriterium der Wissenschaftlichkeit. Erkenntnisfortschritt entsteht, wenn die Wissenschaft durch Beobachtungen oder logische Prüfungen Widersprüche in bestehenden Theorien feststellt. Forscher müssen sich daher bemühen, bestehende Theorien durch Experimente zu widerlegen oder durch neue, bessere Theorien zu ersetzen. Die Qualität einer Theorie wächst dabei, je besser sie falsifizierbar ist und je höher der Grad ihrer Bewährung ist.
          .
          Tatsache ist, dass herrschende Gruppen mit ihren Interessen so intensiv an eine Situation gebunden sind, dass sie die Fähigkeit verlieren, bestimmte Tatsachen zu reflektieren.
          Insbesondere in den Einzelwissenschaften ist es die oftmals vorzufindende naive Auffassung einer Wissenschaft.

          Unbestritten ist die wissenschaftstheoretische Einsicht, dass jedes Experiment und jede Beobachtung in den empirischen Wissenschaften von der Fragestellung und von der Versuchsanordnung abhängt. Jede Beobachtung ist damit theoriebeladen.

          Mit Spannung erwarte ich Ihre Antwort.

          Reno, der eindeutig dem 3. Geschlecht angehört, dem des Hermaphroditen

        • claudia sagt:

          >>…Wiederholt habe ich daraufhin gewiesen, dass es sowohl auf psychischer wie auch körperlicher Seite mehr als zwei Geschlechter gibt, allerdings meiner Meinung nach nicht drei sondern eine Vielzahl. <<
          Verwirrt das nicht mehr, als es aufklären kann?
          "Geschlecht" beduetet, dass viele Arten (auch einige Pflanzen) zwei unterschiedlichen Fortplanzungfunktionen haben, die sich ergänzen.
          Jetzt könnte man ja mal fragen: "Wie wichtig ist das Geschlecht angesichts einer explodierenden Weltbevölkerung?"
          Man könnte zu dem Schluss kommen, dass der hohe soziale Stellenwert, der dem Geschlecht früher mal zugewiesen wurde heute antiquiert ist.
          Wir haben uns auch dran gewöhnt, dass die Hautfarbe eines Menschen nicht wichtig ist, denn es gibt wichtigere Eigenschaften.

          Wenn die Eigenschaft "Geschlecht" nicht mehr so wichtig genommen wird, können auch die Begründungen für das geschlechtskosmetische Herummanipulieren an Kindern endlich obsolet werden.

        • Nachhaker sagt:

          @ Hertha Richter-Appelt,

          “Um die Situation Transsexueller und Intersexueller in unserer Gesellschaft verbessern zu können, benötigen wir weitere Forschung, da noch viele Fragen ungeklärt sind.”

          Hören sie mit Ihren Lügen auf.

          Wir brauchen eine Justiz, die Ihnen das Handwerk legt, damit Sie keine Chance mehr haben, anderen Menschen ihren Willen aufzuzwingen, sie auszubeuten und deren Leben zu ruinieren.

  7. Redaktion sagt:

    Der an dieser Stelle veröffentlichte Kommentar wurde wegen eines Verstoßes gegen die Allgemeinen Nutzungsbedingungen gelöscht.

  8. ETEKAR sagt:

    Sehr geehrte Mitglieder des Deutschen Ethikrates sowie sehr geehrte Redaktion,

    zusammen mit der Dissertation von Manutscheher Mohtaschmi empfehle ich als Einstieg in die Thematik des Genozides an zweigeschlechtlichen Kindern die unten angegebene Literatur zum Lesen, damit Sie ein Fundament haben. Carl Gottlieb Bennholdt-Thomsen war übrigens auch ganz kurze Zeit Direktor der Universitätskinderklinik Hamburg-Eppendorf, bevor er diesen Führungsposten an Karl Heinz Schäfer übergab und dann selbst die Führung der Kölner Kinderklinik übernahm.

    Aufsatz: Getarnt – verwischt – vergessen : die Tätigkeit von em. Univ.-Prof. Mudr. Franz Xaver Lucksch (1872-1952) und Univ.-Prof. Dr. med. Carl Gottlieb Bennholdt-Thomsen (1903-1971) im Kontext der NS-”Euthanasie” auf dem Gebiet des Protektorates Böhmen und Mähren / Michal Simunek
    Verfasser: Simunek, Michal
    Sonst. Personen: Bennholdt-Thomsen, Carl-Gottlieb *1903-1971* ; Lucksch, Franz *1872-1952*
    In: Universitäten und Hochschulen im Nationalsozialismus und in der frühen Nachkriegszeit . – Stuttgart : Steiner, ISBN 3-515-08175-5. – 2004, S. 125-145

  9. MichelReiter sagt:

    Hier ist ein Bericht, was klassische Genderarbeit an Schulen heute hergibt:
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    Bremen. Wenn wieder einmal „schwul“ als Schimpfwort über den Schulhof fliegt oder die Mädchen sich gegenseitig als Schlampe bezeichnen, hat mancher Lehrer längst aufgegeben, dagegen anzugehen. Oder es vielleicht nie versucht. In solchen Situationen fragt Michael Schmidt nach. Der Jugendarbeiter spricht mit Bremer Schülern über Geschlechterrollen und unerfüllbare Männerideale.

    Es geht nicht nur um Sex und Beziehungen, sondern auch um Cliquen-Stress, Mobbing oder Schulprobleme. Also um all das, was den Schülern gerade auf der Seele liegt und wofür im Unterrichtsalltag oft die Zeit fehlt – und die vertrauliche Atmosphäre. Doch dabei werden die Erwartungen an Frauen und Männer und alle, die sich irgendwo dazwischen befinden, offen thematisiert.

    Michael Schmidt sieht sich nicht als Gender-Trainer. „Ich benutze den Begriff nicht, denn er ist so weit weg von den Schülern“, sagt er. „Ich würde eher sagen, dass ich politische Bildungsarbeit mache, denn ich arbeite ja zum Beispiel auch gegen Rassismus.“ Dennoch hat sich der 29-jährige Jugendarbeiter auf Geschlechterthemen spezialisiert – und bringt das auch in gezielt in die Arbeit mit den Schülern ein.

    Frauen und Männer und alle dazwischen

    Er und seine Kollegen trennen die Klassen nach Jungen und Mädchen, um freier über sensible Themen sprechen zu können. „Ohne die Mädchen lässt der Profilierungsdruck bei den Jungs sofort nach, und sie müssen nicht mehr so den Macker raushängen lassen“, sagt Micha, der mit den Jungen-Gruppen arbeitet.

    Doch schon bei der Teilung der Klasse greift der geschlechtersensible Ansatz: „Wir sagen nicht ,Jungs nach rechts, Mädchen nach links‘, sondern: ,Alle, die als Jungen aufgewachsen sind, gehen bitte in die Gruppe von Micha“, erklärt Schmidt. „Man kann nicht davon ausgehen, dass sich alle klar als Mädchen oder als Junge definieren – und ich habe auch schon manche Leute falsch zugeordnet.“

    „Wie werden Menschen heterosexuell?“

    Diese auf besondere Weise formulierte Aufforderung sorgt natürlich schon für erste Verwirrung bei den Schülern – die die Jugendarbeitern später gerne aufgreifen. „Ein bisschen Irritation finde ich ganz gut“, sagt Schmidt. Manche Fragezeichen löst er gezielt aus – zum Beispiel in einem Quiz, das nicht Wissen, sondern Meinung abfragt.

    „Was sind eigentlich Heterosexuelle und was machen die?“ – Diese Frage stellt Schmidt seiner Gruppe gerne. „Gut ist auch immer: Wie werden Menschen heterosexuell?“ Von den Jugendlichen kommen darauf diverse Reaktionen: „Sind das nicht die, die mit Männern und Frauen gleichzeitig Sex haben?“. Bis ein Schüler die Kurve kriegt und die Wahrheit erahnt: „Mann, WIR sind heterosexuell!“ Und damit trotzdem Widerspruch erntet: „Hey, Deine Mutter is‘ heterosexuell!“

    Schwierige Männer-Ideale

    Schmidt lacht, als er von der Episode erzählt. Die Schüler sind daran gewöhnt, dass sexuelle Orientierung nur dann benannt wird, wenn es um Minderheiten geht, aber selten, wenn ein Junge auf Mädchen steht – und also heterosexuell ist. Bei den Projekttagen geht es Schmidt auch darum, vielfältige Geschlechter-Identitäten zu benennen. „Es gibt kaum Lehrerinnen und Lehrer, die sich geoutet haben, und gerade über männliche Homosexualität wird sehr verdreht geredet“, sagt Schmidt. Er will den Jungen vermitteln, dass man auf ganz verschiedene Arten Junge oder Mann sein kann. „Man muss nicht dem vorherrschenden Männer-Ideal gerecht werden, das ist unheimlich anstrengend, und man schafft es auch nicht“, sagt er.

    Nachfragen bringt viel

    Zur Jugendarbeit kam Schmidt über eine Freundin, die ihm erzählte, dass in Bremen noch Leute in dem Bereich gesucht würden. „Ich hatte das Gefühl, das mein Blick durch die Uni-Theorien zuerst eher eingeschränkt war“, sagt Schmidt selbstkritisch. „Man kommt mit dieser Haltung ,Jetzt gehe ich mal dahin und sage denen, warum Sexismus ätzend ist.‘“ Seine Ansprüche musste er erst einmal ganz schön herunterschrauben. „Drei Tage Seminar können nicht 14 Jahre Sozialisation verändern.“

    Inzwischen lässt er harmlosere Sprüche der Jugendlichen stehen und fragt lieber nach, statt Verbote auszusprechen. „Was heißt eigentlich ,schwul‘ oder ,Hurensohn‘ für Dich? – Dieses Nachfragen bringt unheimlich viel, da kommen viele dann schnell ins Stottern.“ Andere reagieren nicht darauf – aber der Begriff fällt dann später oft trotzdem nicht mehr. „Manche Sachen kann ich auch heute nicht stehen lassen, vor allem wenn es sehr sexistisch oder rassistisch wird“, sagt Schmidt. „Da sage ich dann schon: ,Ich habe keine Lust, das zu hören‘.“

    In der Jugendarbeit wollte sich Michael Schmidt anfangs vor allem neben dem Studium ausprobieren. Inzwischen liegt sein Abschluss drei Jahre zurück, und er führt die Projekttage für drei verschiedene Träger durch: Den DGB, das Lidice-Haus auf der Werderinsel und das Landesinstitut für Schulen. Finanziert werden die Seminare aus verschiedenen Töpfen. Die Stadt und der Stadtjugendring geben Zuschüsse, und manchmal müssen auch die Eltern der Schüler einen Teil der Seminarkosten mitfinanzieren.

    Selbstausdruck jenseits der Playstation

    Drei Tage dauern die meisten Seminare, drei Tage lang soll es darum gehen, die eigenen Gefühle zu benennen und auch zu sagen, wenn einem etwas nicht passt. „Wir wollen die Kommunikation und den Selbstausdruck stärken“, sagt Schmidt. „Viele Jungen fällt es schwer, sich miteinander über sich selbst auszutauschen – vor allem, wenn es nicht um das neue Spiel für die Playstation geht.“ Er will die Fähigkeit fördern, sich in andere hineinzuversetzen und Verantwortung zu übernehmen. Auch auf die Beratungsangebote des Jungenbüros wird hingewiesen, denn immer wieder kommen Missbrauchserfahrungen zur Sprache. Ohne Notendruck und feste Hierarchie, in lockerer, herzlicher Atmosphäre kann vieles besprochen werden –wenn sich die Jugendlichen darauf einlassen.

    „Dass wir unter Jungs so voll offen über das alles reden konnten, auch über Sex, das habe ich so noch nie gehabt.“ Wenn ein Schüler am Ende so über die Projekttage spricht, dann ist Michael Schmidt zufrieden.
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    Zu meiner Zeit in den 1960er Jahren gab es solche Kurse noch nicht und eine genitale Operation zum Zwecke einer Normanpassung wäre auch heute nicht vermittelbar. Der Raum des ‘dazwischen’ ist hingegen denkbar geworden und den Stress aus der Umgebung haben alle (siehe auch Cyber-Mobbing) -> es braucht kein Netzwerk DSD.

  10. Nachhaker sagt:

    Sehr geehrte Frau Richter-Appelt

    Sie haben am 8.6.2011 bei der öffentlichen Anhörung behauptet “Transsexuelle” seien biologisch eindeutige Männer bzw. Frauen und damit bewusst den Ethikrat belogen.

    Sie wissen ganz genau, dass es unterschiedliche Ausprägungen von Zwittrigkeit gibt und diejenigen, die sie als “Transsexuelle” darstellen, lediglich Zwitter sind, deren Zwittrigkeit äußerlich nicht so stark ausgeprägt ist.

    Ihre DGfS vertritt mit den sogenannten “Standards der Behandlung und Begutachtung von Transsexuellen” systematische und schwere Menschenrechtsverletzungen, die schon viele Menschenleben gekostet haben – nur durch einen Zufall nicht auch meines.

    Wes Geistes Sie sind, kommt in folgendem Zitat von Ihnen für jeden deutlich zum Ausdruck.

    “Transsexuelle Wünsche können bei Personen mit ganz unterschiedlicher Persönlichkeitsstruktur auftreten. Man findet Transsexuelle mit einer vowiegend neurotischen oder Borderline-Persönlichkeit, aber auch Personen mit einer Suchtstruktur genauso wie Schizophrene oder solche, die mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind.”

    Quelle: Hertha Richter-Appelt, Verena Schönbucher, Katinka Schweizer: Transsexualität und Intersexualität. Zwei unterschiedliche Varianten der Geschlechtsentwicklung.
    In: gynäkologie + geburtshilfe 1-2008, S. 24-26 [25].

    Ihr Ziel ist Menschenrechtsverletzung, die Sie als Hilfe ausgeben.

    Sie haben sich bei der Anhörung am 8.6.2011 ganz klar gegen eine Entschädigung der Zwitter für die systematischen psychiatrisch motivierten Behandlungen ausgesprochen.

    Ich habe Ihre zynischen Worte noch im Ohr:

    “Durch eine Entschädigung geht es denen doch auch nicht besser.”

    Sie sind ein Persona non grata.