Gegensätzlichkeit und Vielfältigkeit

Heute, am 8. Juni 2011, kamen der Deutsche Ethikrat, Experten, Betroffene und Interessierte zu einer öffentlichen Anhörung zur Situation von Menschen mit Intersexualität  zusammen. Im Forum 1 am Vormittag ging es um die Themen medizinische Behandlung, Indikation und Einwilligung.

Die Sprecher im Forum 1 repräsentierten ein breites Meinungsbild. Juristische, medizinische, psychologische und gesellschaftliche Aspekte, die Menschen mit Intersexualität betreffen, wurden angesprochen.

Zunächst stellten die geladenen sieben Redner jeweils fünfminütige Statements zum Thema vor, in welchen sie einen Überblick über den wissenschaftlichen Stand ihres Fachgebietes, ihre Forderungen und Ansprüche bzw., im Falle der betroffenen Redner, ihre Erfahrungen darstellten. Im Anschluss befragten die Mitglieder des Deutschen Ethikrates die Redner. Auch das Publikum konnte über Publikumsanwälte Fragen an die Experten und Betroffenen richten.

Bei den Statements und der Befragung wurde deutlich, dass die Fragen wann, warum und ob intersexuelle Menschen überhaupt operiert werden sollten, sehr zentrale Problemaspekte sind, für die es bislang keine einheitlichen Standards bzw. keine einheitliche Praxis gibt. Die erste Vorsitzende von Intersexuelle Menschen e.V., Lucie Veith, sprach sich klar gegen zu frühe Operationen aus und stellte die Notwendigkeit der Zuweisung einer eindeutig männlichen oder weiblichen Geschlechtsidentität infrage. Paul-Martin Holterhus, Leiter des Bereichs pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, hingegen hält in bestimmten Fällen, wie der Möglichkeit durch einen chirurgischen Eingriff die Fertilität des Patienten zu erhalten, eine frühe Operation für durchaus sinnvoll. Julia Marie Kriegler, Vertreterin der Elterngruppe der XY-Frauen, sprach sich für ein Moratorium, einen Zeitraum, in dem keine Operationen durchgeführt werden, aus. Dies müsse nicht rechtlich verankert sein, sondern solle vielmehr über eine Selbstverpflichtung von Ärzten geregelt sein. So hätten Eltern Zeit, ihr Kind in seiner Besonderheit kennenzulernen und die Möglichkeit sich in den ersten Lebensmonaten oder -jahren mehr mit dem Kind als mit der Frage, ob eine Operation durchgeführt werden sollte oder nicht, zu beschäftigen. Im weiteren Verlauf wurden unter anderem die verfassungsrechtlichen Grundlagen, die medizinische Praxis und die Erfahrungen von Eltern mit intersexuellen Kindern diskutiert.

 

Themenschwerpunkt: Allgemein, Aufklärung & Einwilligung, Medizinische Eingriffe

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